Samstag, 29. April 2017

Memorial Week und Pasika

Memorial Week und Pasika (Ostern) - prägende Ereignisse der letzten Tage; mit diesen befasst sich der folgende Beitrag:

Wer denkt bei Ruanda denn nicht an den Genozid, jene schreckliche Monate im Jahr 1994, in welchen 800.000 bis 1.000.000 Menschen (Tutsi und oppositionelle Bahutu) durch Bahutu getötet wurden? Dieses Ereignis wurde ein Teil der ruandischen Geschichte. Um diese Taten nie zu vergessen und wiederholen zu lassen, gedenkt Ruanda jährlich dem Völkermord. Seit dem 07. April 1994, an dem das grausame und unsinnige Töten begann, gibt es in Ruanda den Genozid Gedenktag. Dieser Tag gilt als Trauertag: man arbeitet nicht, sondern gedenkt den Opfern des Völkermordes. Menschen nehmen an verschiedenen Veranstaltungen teil und Musik, wenn diese überhaupt gespielt wird, ist sehr traurig und widmet sich inhaltlich dem Genozid. Diesem Tag folgt eine Genozid-Gedenkwoche (Genozid Memorial Week), in der man nur halbtags arbeitet und sonst an verschiedenen Veranstaltungen teilnimmt. Man darf an diesen Tagen auch keine Musikinstrumente spielen, was für die Kinder im Zentrum nicht so einfach war.

Graue Schleife für die Gedenktage

Weil mein Touristenvisum am 09. April abgelaufen wäre, musste ich vor dem 07. April noch nach Kigali ins Immigration Office. Ich war dort genau einem Tag vor dem Gedenktag und wollte noch am gleichen Abend zurück nach Ngarama. Dies war jedoch unmöglich. Überall warteten Leute auf die schon längst ausgebuchten Busse. Alle wollten nach Hause, um die folgenden Tagen mit der Familie oder Hinterbliebenen zu verbringen. Man könnte das mit der Zeit vor Weihnachten in Deutschland vergleichen - nur die Stimmung war gegensätzlich. An mehreren Orten wurden verschiedene Sachen verkauft, wie z.B. graue Schleifen. Nach Ngarama fuhr ich schließlich am regnerischen 07. April. Als ob es Tränen der Ruander regnete.


Die Gedenkwoche endete am Donnerstag, dem 13. April, an dem für Katholiken Ostern anfing. Alle Tage waren durch lange Gottesdienste gekennzeichnet. Am Karfreitag fing die Zeremonie mit dem Kreuzweg schon um 12 Uhr an. Ein echtes Holzkreuz in realen Maßen wurde durch die Stadt bei fast unerträglicher Hitze getragen. Der von Gebeten und Gesängen begleitete Umzug endete um 15 Uhr in der Kirche in der Nähe vom Marktplatz Ngaramas. Dort setzte sich die Zeremonie bis 18 Uhr fort.

Ostern in Ngarama

Am Ostersonntag besuchten auch die Kinder aus dem Zentrum die Kirche. Es war eine unvergessliche Erfahrung - im guten wie im schlechten Sinne. Die Messe war wunderschön, alle waren richtig feierlich gekleidet und gelaunt. Die Kinder hielten die lange Messe aus, waren die ganze Zeit brav, klatschten und sangen mit. Was mich enttäuschte, war die Einstellung einiger Leute unseren Kindern gegenüber. Nicht nur, dass uns alle anstarrten, einige scheuten sich sogar davor, den Kindern die Hand zu geben. Sie ekelten sich richtig. Am Ende der Messe, als wir vor der Kirche standen und feststellten, dass wir nicht genügend Leute zum Schieben der Rollstühle hatten, war keiner der um uns stehenden und uns anschauenden Personen bereit, uns zu helfen. Das fand ich sehr traurig; umso mehr, da es sich bei allen um Katholiken handelte! 

 Mama Kiki (links), die Gründerin und Leiterin des Zentrums im Ostergottesdienst 

Mama Kiki mit einigen Kindern aus dem Zentrum in der Kirche 

Durch diese Erfahrung wurde mir die Einstellung der hiesigen Gesellschaft zu Behinderten bewusst. Nun überlege ich, eine Art Community Work zu machen. Und zwar, dass ich einige Tage mit jeweils einem Kind in die Stadt gehe, auf dem Markt einkaufe, im Restaurant esse usw. Es soll zwei Nutzen haben: Einerseits dem Kind das alltägliche Leben näherbringen, andererseits der Gesellschaft zeigen, dass Behinderte ganz normale Menschen sind, die viel Potenzial in sich tragen. Mal sehen, ob es mir gelingt.

Regnerische Grüße aus Ngarama
Marie

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