Samstag, 26. Juli 2014

Einmal Ngarama und zurück


So, nun sind auch schon wieder einige Wochen ins Land gezogen und ich bin um viele neue Eindrücke reicher
Die Arbeit im Center macht nach wie vor sehr viel Freude, und anstatt viele Worte zu verlieren, lass ich lieber mal ein paar Bilder sprechen:





Einmal habe ich auch schon einen Frühdienst mitgemacht. Ich stand um 5.30 auf der Matte und habe miterlebt, wie 40 Kinder nach und nach aus dem Bett kommen, Zähne geputzt bekommen, gewaschen, trocken gerubbelt, mit einer Art Vaseline eingerieben werden, Porridge essen und in die Schule gebracht werden. Dabei sind manche natürlich schon sehr selbstständig, manche brauchen dagegen mehr Unterstützung. Auch der Frühdienst hatte für mich den ein oder anderen Lacher bereitgehalten: So war ich bei einem Kind bisher der festen Überzeugung, dass es ein Mädchen ist, umso überraschter war ich beim Waschen und Abtrocknen, dass es ein Junge ist.
Ich war positiv überrascht, dass trotz so vieler Kinder alles sehr routiniert ablief und nicht im Chaos mündete. Da kann ich den Mitarbeitern ein sehr großes Lob aussprechen, sie zeigen alle viel Einsatz. Es wurden vor kurzem auch 2 neue Mitarbeiterinnen eingestellt, die beide sehr herzlich sind, viel Erfahrung mitbringen und frischen Wind reinbringen, so hab ich es schon einige Male miterlebt, dass alle Kinder am Nachmittag beisammen sitzen, beten und Lieder singen.
Letzten Freitag durfte ich 5 Kinder aus dem Center nach Kigali ins psychiatrische Krankenhaus begleiten. Dort wurden einige Tests durchgeführt, von denen ich leider nichts mitbekommen habe, doch es war interessant, die Kinder auch mal außerhalb ihrer gewohnten Umgebung, gemeinsam mit ihren Eltern zu erleben. Auch die gemeinsame Busfahrt und die anschließende Moto-Fahrt, wo ein Kind zwischen mir und dem Fahrer geklemmt war, war auf jeden Fall ein Erlebnis. Die Verkehrssituation hier in Ruanda wäre allerdings noch mal ein Kapitel für sich.
Dann möchte ich euch nicht vorenthalten, wie ich die Wochenenden hier verbringe. Da kam schon einiges zusammen:
Einmal war ich mit Maike in Gisenyi, das liegt im westlichen Teil Ruandas am Kivu-See. Der Kivu-See wird vom Kongo und von Ruanda umschlossen und könnte man glatt für ein Meer halten. Da kommt natürlich Urlaubsfeeling auf - wir haben es genossen, an der sandigen Strandpromenade entlang zu schlendern, zu schwimmen, lecker essen zu gehen und abends noch in einer Strandbar zu sitzen und dem Wellenrauschen zu lauschen. Ein absolutes Highlight war auch unser Ausflug zu den heißen Quellen, die dann in den See münden. Viele Einheimische nutzen sie auch als Badewanne, wir haben zumindest ein brühend warmes Fußbad darin genommen. Die Gegend hat landschaftlich sehr viel zu bieten, wir sind die Hügel rauf und runter gewandert und dann hat sich sogar noch eine spritzige Bootsfahrt zu einer Insel ergeben. Das Foto ist entstanden, als wir auf dem Weg zu einem Bergdorf waren. Dort lebte die Familie von unserer Bekanntschaft aus dem Hostel.


Letztes Wochenende habe ich das Jugenddorf Hamaeu des Jeunes besucht, das von einem deutschen Pater aufgebaut wurde. Es gibt vielen Jugendlichen, die aus zerrütteten Familien kommen oder ganz ohne Familie sind, ein neues Zuhause und die Möglichkeit, die Schule zu besuchen und einen Beruf zu erlernen. Die Arbeit vom Pater Hermann hat mich schwer beeindruckt.
Und auch dort habe ich nette Bekanntschaften gemacht. Einer Mitarbeiterin habe ich es zu verdanken, dass ich am nächsten Tag weiter nach Gatagara in den Süden gefahren bin, um in einer der größten inklusiven Behindertenschulen zu hospitieren. Hier gehen ca. 800 Kinder zur Schule, ungefähr die Hälfte aller Kinder haben eine Behinderung, die kann ganz unterschiedlich ausschauen: Viele Kinder haben z.B. Orthesen, Prothesen, zwei unterschiedlich lange Beine, wobei eines einfach künstlich verlängert wird, andere wiederum sind taubstumm und kommunizieren in der Gebärdensprache. Dann gibt es natürlich die unmöglichsten Fehlstellungen von Armen und Beinen. Aber es kommt ja nicht darauf an, sondern wie sie damit umgehen, und das war schon große Klasse: Trotz Handicap wurde u.a. Fußball, Basketball, Boccia gespielt.
Besonders unterhaltsam war auch das Zusammensein mit den älteren Mädchen: mit ihnen konnte ich mich auf Englisch unterhalten, sie waren sehr neugierig und wollten viel wissen. Außerdem ist ein ganz schöner Austausch an Tänzen und Liedern entstanden. Sie haben mich beispielsweise in traditionelle ruandische Tänze eingeweiht. Meine Versuche müssen wohl ziemlich lustig ausgesehen haben, zumindest haben sie sich halb schief gelacht. Im Gegenzug habe ich ihnen den Walzer und den Gumboot Dance aus Südafrika gezeigt (Ok, ich habe ihn als Schuhplattler ausgegeben*g) Dasselbe haben wir dann noch mit der ruandischen und deutschen Nationalhymne gemacht. Das war für mich eine gelungene interkulturelle Begegnung bzw. Austausch. Im Anschluss habe ich mir dann noch die dortige Töpferei und die Werkstätten für Orthesen und Prothesen angeschaut.
Mit vielen bunten, neuen Eindrücken bin ich dann am Montag Abend zurück nach Ngarama gekommen.

Nun heißt es, die verbleibenden 3 Wochen im Zentrum ordentlich zu nutzen und zu genießen

Samstag, 5. Juli 2014



Hallo,
ich heiße Kathy, bin 25 Jahre und habe musik- und bewegungsorientierte soziale Arbeit in Regensburg studiert. Während meiner Schulzeit und meinem Studium habe ich schon viele Einblicke in die Arbeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen bekommen, doch nun lern ich das Ganze noch einmal in einem anderen kulturellen Kontext kennen. Ich werde 2 Monate in Ngarama verbringen und im Wikwiheba Mwana mitarbeiten.





Mein Leben in Ngarama:
Am 3. Juni bin in Kigali gelandet. Ich habe dann erstmal ein paar Tage die Großstadt erkundet, bevor es dann ins beschauliche Ngarama ging. Dort lebe ich mit zwei anderen Freiwilligen, Maike und Shavu, in einem geräumigen Freiwilligenhaus mit Garten, 4 Zimmern, Küche, Dusche, Toilette und Chill-Ecke.

Das Zusammenleben macht Spaß, wir tingeln über den Markt, kochen gemeinsam, essen, quatschen, spazieren über die beeindruckende grüne Hügellandschaft, umgeben von zahllosen Bananen -und Maisfeldern, und hatten auch schon eine Jam-Session mit der Gitarre und der Flöte. Wenn man bedenkt, dass es in Ngarama um halb 7 schon zappenduster ist, ist das kein Wunder, dass man es sich zuhause richtig heimelig macht Erfreulich ist es auch, dass wir im Guesthouse nebenan die Fußball-WM verfolgen können. Da fühlt man sich gleich besser connected und stellt sich bildhaft vor, was da in Deutschland zur Zeit abgeht;-)

Meine Arbeit im Zentrum:
Auch im Zentrum hatte ich einen guten Start und habe schnell einen Rhythmus gefunden. Das Zentrum ist einfach ein so herzlicher, lebendiger Ort, an dem ganz viele unterschiedliche Kinder leben, die Altersspanne geht momentan von ca. 2-20 Jahren und natürlich sind auch die Behinderungen ganz unterschiedlich. Dadurch hat man viele Möglichkeiten, sich im Zentrum einzubringen – neben den alltäglichen Aufgaben wie füttern, wickeln usw.
Wir haben z.B. ein Guten-Morgen-Ritual eingeführt und singen jeden Morgen „Helloo, Good Morning, my dear friend, helloo, Good morning, let´s shake hands“ So wird jedes Kind persönlich begrüßt. Die Kinder sind total empfänglich für verschiedenste Lieder, Melodien, Klatschverse und trommeln, patschen und schnippsen eifrig mit.
Einmal habe ich meine Flöte mitgebracht, klassische Stücke aus dem Schwanensee oder der Zauberflöte ziehen anscheinend weite Kreise, zumindest waren ein paar Kinder dabei, die bald mitgesummt und gesungen haben.
Was natürlich auch immer super ankommt, ist wenn man den Körper der Kinder durchlockert und einmal Zehen und Finger durchknetet, so kann man nebenbei verschiedenste Körperteile und Zahlen auf kinyarwanda lernen.
Kinyarwanda ist so eine Sache, ich habe mir natürlich schon ein paar Brocken angeeignet, aber natürlich reicht es nicht aus, um wirklich Gespräche zu führen. Nebenbei eine kleine Episode: „Oya“ heißt „Nein“ und „Yego“ „Ja“. Das ist fürs deutsche Hirn anfangs ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Da ist es auch schon mal vorgekommen, dass ich ein Kind, das einem anderen Kind Essen stipizt hat, geschimpft habe und das Ganze mit „Yego, yego, yego“ kommentiert habe. Aber gut, inzwischen habe ich mir das gemerkt
Im Allgemeinen bin ich froh und dankbar, dass doch erstaunlich viel ohne Worte läuft und ich trotz sprachlicher Barriere eine Brücke zu den Kindern schlagen konnte.
Mit den größeren Kindern kann man natürlich auch immer gut Ball spielen, fangen, malen, Memory spielen oder Englisch lernen. Momentan ist es der letzte Schrei, mit leicht angefüllten Wasserflaschen und Boccia-Kugeln zu kegeln.

Außerdem experimentieren die Kinder gerne mit einem Regenbogen-Gymnastikband, was dann auch schon mal als Krawatte oder Kopfschmuck umfunktioniert wird.
Ich hoffe, ihr konntet einen ersten Einblick in mein Leben in Ruanda und meine Tätigkeit im Zentrum erhalten. Ich fühle mich hier sehr wohl und freue mich schon auf die kommenden Wochen und alles, was noch kommen mag