Sonntag, 21. September 2014

Eine Schatzkiste voller bunter Erinnerungen

So, inzwischen bin ich schon fast 4 Wochen wieder in Deutschland. Es ist wieder ein bisschen deutscher Alltag eingekehrt, ich habe auch meine Arbeit im Jugendwohnheim wieder aufgenommen. Aber ganz automatisch schweifen die Gedanken doch immer wieder zurück nach Ruanda.
Die Arbeit mit den Kindern hat mega viel Spaß gemacht, gerade die letzten Wochen waren noch sehr intensiv, ich hatte noch so viele Vorhaben und Pläne und gleichzeitig wurde die Zeit dafür immer kürzer.
Ich habe das Beste draus gemacht, ich habe nochmal die Fingerfarben ausgepackt, so konnte jedes Kind sich nochmal mit seinem Handabdruck auf Papier verewigen. Und natürlich darf auch eine kleine Widmung mit Dankeschön nicht fehlen.

Zuletzt haben wir auch nochmal ein bisschen Musik gemacht. Alles, was man dazu braucht, ist eine leere Plastikflasche und ganz viele Steinchen, so sind alle Kids beschäftigt und haben hinterher jede Menge Freude dran, die unterschiedlichsten Klänge zu erforschen und verschiedene Lieder mit der Rassel zu begleiten.



Im Anschluss an mein Praktikum habe ich noch eine Woche eine Rundreise angehängt - durch Namibia, Botswana und Sambia. Dabei hat ein Highlight das Nächste gejagt - angefangen von Begegnungen mit den San, Mokoro (Einbaum)-Fahrten durchs Okavango Delta, Zelten in der Wildnis, und natürlich der gigantische Blick auf die Viktoriafälle in Sambia.


Durch die eingeschobene Rundreise hat sich der anfängliche Kulturschock in Deutschland in Grenzen gehalten, denn schon auf der Rundreise hatten wir so manchen Luxus, wie eine warme Dusche, ein warmes Hotelbett, grandioses Essen, leckere Desserts, auf den ich in Ruanda verzichten musste.

Im Nachhinein betrachtet fand ich Ruanda dennoch am beeindruckendsten, dort habe ich einfach den Alltag erlebt, besonders fehlt mir dabei die Arbeit mit den Kindern, die reiche Natur und das Gefühl, sich wirklich auf eine Sache konzentrieren zu können, und nicht tausend andere Dinge im Kopf zu haben.





Ein kleiner Wehmutstropfen sind die Gedanken und Frage, die ich mit nach Hause nehme, z.B. wie gute Entwicklungszusammenarbeit aussehen sollte. Es ist mir nur bedingt gelungen, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, da auf beiden Seiten sehr viel Stereotypen vorhanden sind, aus denen man nur schwer herauskommt, besonders, wenn man die Landessprache nicht ausreichend spricht.
Doch auf jeden Fall habe ich eine Schatzkiste bunter, toller Erinnerungen mit nach Hause gebracht


Samstag, 26. Juli 2014

Einmal Ngarama und zurück


So, nun sind auch schon wieder einige Wochen ins Land gezogen und ich bin um viele neue Eindrücke reicher
Die Arbeit im Center macht nach wie vor sehr viel Freude, und anstatt viele Worte zu verlieren, lass ich lieber mal ein paar Bilder sprechen:





Einmal habe ich auch schon einen Frühdienst mitgemacht. Ich stand um 5.30 auf der Matte und habe miterlebt, wie 40 Kinder nach und nach aus dem Bett kommen, Zähne geputzt bekommen, gewaschen, trocken gerubbelt, mit einer Art Vaseline eingerieben werden, Porridge essen und in die Schule gebracht werden. Dabei sind manche natürlich schon sehr selbstständig, manche brauchen dagegen mehr Unterstützung. Auch der Frühdienst hatte für mich den ein oder anderen Lacher bereitgehalten: So war ich bei einem Kind bisher der festen Überzeugung, dass es ein Mädchen ist, umso überraschter war ich beim Waschen und Abtrocknen, dass es ein Junge ist.
Ich war positiv überrascht, dass trotz so vieler Kinder alles sehr routiniert ablief und nicht im Chaos mündete. Da kann ich den Mitarbeitern ein sehr großes Lob aussprechen, sie zeigen alle viel Einsatz. Es wurden vor kurzem auch 2 neue Mitarbeiterinnen eingestellt, die beide sehr herzlich sind, viel Erfahrung mitbringen und frischen Wind reinbringen, so hab ich es schon einige Male miterlebt, dass alle Kinder am Nachmittag beisammen sitzen, beten und Lieder singen.
Letzten Freitag durfte ich 5 Kinder aus dem Center nach Kigali ins psychiatrische Krankenhaus begleiten. Dort wurden einige Tests durchgeführt, von denen ich leider nichts mitbekommen habe, doch es war interessant, die Kinder auch mal außerhalb ihrer gewohnten Umgebung, gemeinsam mit ihren Eltern zu erleben. Auch die gemeinsame Busfahrt und die anschließende Moto-Fahrt, wo ein Kind zwischen mir und dem Fahrer geklemmt war, war auf jeden Fall ein Erlebnis. Die Verkehrssituation hier in Ruanda wäre allerdings noch mal ein Kapitel für sich.
Dann möchte ich euch nicht vorenthalten, wie ich die Wochenenden hier verbringe. Da kam schon einiges zusammen:
Einmal war ich mit Maike in Gisenyi, das liegt im westlichen Teil Ruandas am Kivu-See. Der Kivu-See wird vom Kongo und von Ruanda umschlossen und könnte man glatt für ein Meer halten. Da kommt natürlich Urlaubsfeeling auf - wir haben es genossen, an der sandigen Strandpromenade entlang zu schlendern, zu schwimmen, lecker essen zu gehen und abends noch in einer Strandbar zu sitzen und dem Wellenrauschen zu lauschen. Ein absolutes Highlight war auch unser Ausflug zu den heißen Quellen, die dann in den See münden. Viele Einheimische nutzen sie auch als Badewanne, wir haben zumindest ein brühend warmes Fußbad darin genommen. Die Gegend hat landschaftlich sehr viel zu bieten, wir sind die Hügel rauf und runter gewandert und dann hat sich sogar noch eine spritzige Bootsfahrt zu einer Insel ergeben. Das Foto ist entstanden, als wir auf dem Weg zu einem Bergdorf waren. Dort lebte die Familie von unserer Bekanntschaft aus dem Hostel.


Letztes Wochenende habe ich das Jugenddorf Hamaeu des Jeunes besucht, das von einem deutschen Pater aufgebaut wurde. Es gibt vielen Jugendlichen, die aus zerrütteten Familien kommen oder ganz ohne Familie sind, ein neues Zuhause und die Möglichkeit, die Schule zu besuchen und einen Beruf zu erlernen. Die Arbeit vom Pater Hermann hat mich schwer beeindruckt.
Und auch dort habe ich nette Bekanntschaften gemacht. Einer Mitarbeiterin habe ich es zu verdanken, dass ich am nächsten Tag weiter nach Gatagara in den Süden gefahren bin, um in einer der größten inklusiven Behindertenschulen zu hospitieren. Hier gehen ca. 800 Kinder zur Schule, ungefähr die Hälfte aller Kinder haben eine Behinderung, die kann ganz unterschiedlich ausschauen: Viele Kinder haben z.B. Orthesen, Prothesen, zwei unterschiedlich lange Beine, wobei eines einfach künstlich verlängert wird, andere wiederum sind taubstumm und kommunizieren in der Gebärdensprache. Dann gibt es natürlich die unmöglichsten Fehlstellungen von Armen und Beinen. Aber es kommt ja nicht darauf an, sondern wie sie damit umgehen, und das war schon große Klasse: Trotz Handicap wurde u.a. Fußball, Basketball, Boccia gespielt.
Besonders unterhaltsam war auch das Zusammensein mit den älteren Mädchen: mit ihnen konnte ich mich auf Englisch unterhalten, sie waren sehr neugierig und wollten viel wissen. Außerdem ist ein ganz schöner Austausch an Tänzen und Liedern entstanden. Sie haben mich beispielsweise in traditionelle ruandische Tänze eingeweiht. Meine Versuche müssen wohl ziemlich lustig ausgesehen haben, zumindest haben sie sich halb schief gelacht. Im Gegenzug habe ich ihnen den Walzer und den Gumboot Dance aus Südafrika gezeigt (Ok, ich habe ihn als Schuhplattler ausgegeben*g) Dasselbe haben wir dann noch mit der ruandischen und deutschen Nationalhymne gemacht. Das war für mich eine gelungene interkulturelle Begegnung bzw. Austausch. Im Anschluss habe ich mir dann noch die dortige Töpferei und die Werkstätten für Orthesen und Prothesen angeschaut.
Mit vielen bunten, neuen Eindrücken bin ich dann am Montag Abend zurück nach Ngarama gekommen.

Nun heißt es, die verbleibenden 3 Wochen im Zentrum ordentlich zu nutzen und zu genießen

Samstag, 5. Juli 2014



Hallo,
ich heiße Kathy, bin 25 Jahre und habe musik- und bewegungsorientierte soziale Arbeit in Regensburg studiert. Während meiner Schulzeit und meinem Studium habe ich schon viele Einblicke in die Arbeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen bekommen, doch nun lern ich das Ganze noch einmal in einem anderen kulturellen Kontext kennen. Ich werde 2 Monate in Ngarama verbringen und im Wikwiheba Mwana mitarbeiten.





Mein Leben in Ngarama:
Am 3. Juni bin in Kigali gelandet. Ich habe dann erstmal ein paar Tage die Großstadt erkundet, bevor es dann ins beschauliche Ngarama ging. Dort lebe ich mit zwei anderen Freiwilligen, Maike und Shavu, in einem geräumigen Freiwilligenhaus mit Garten, 4 Zimmern, Küche, Dusche, Toilette und Chill-Ecke.

Das Zusammenleben macht Spaß, wir tingeln über den Markt, kochen gemeinsam, essen, quatschen, spazieren über die beeindruckende grüne Hügellandschaft, umgeben von zahllosen Bananen -und Maisfeldern, und hatten auch schon eine Jam-Session mit der Gitarre und der Flöte. Wenn man bedenkt, dass es in Ngarama um halb 7 schon zappenduster ist, ist das kein Wunder, dass man es sich zuhause richtig heimelig macht Erfreulich ist es auch, dass wir im Guesthouse nebenan die Fußball-WM verfolgen können. Da fühlt man sich gleich besser connected und stellt sich bildhaft vor, was da in Deutschland zur Zeit abgeht;-)

Meine Arbeit im Zentrum:
Auch im Zentrum hatte ich einen guten Start und habe schnell einen Rhythmus gefunden. Das Zentrum ist einfach ein so herzlicher, lebendiger Ort, an dem ganz viele unterschiedliche Kinder leben, die Altersspanne geht momentan von ca. 2-20 Jahren und natürlich sind auch die Behinderungen ganz unterschiedlich. Dadurch hat man viele Möglichkeiten, sich im Zentrum einzubringen – neben den alltäglichen Aufgaben wie füttern, wickeln usw.
Wir haben z.B. ein Guten-Morgen-Ritual eingeführt und singen jeden Morgen „Helloo, Good Morning, my dear friend, helloo, Good morning, let´s shake hands“ So wird jedes Kind persönlich begrüßt. Die Kinder sind total empfänglich für verschiedenste Lieder, Melodien, Klatschverse und trommeln, patschen und schnippsen eifrig mit.
Einmal habe ich meine Flöte mitgebracht, klassische Stücke aus dem Schwanensee oder der Zauberflöte ziehen anscheinend weite Kreise, zumindest waren ein paar Kinder dabei, die bald mitgesummt und gesungen haben.
Was natürlich auch immer super ankommt, ist wenn man den Körper der Kinder durchlockert und einmal Zehen und Finger durchknetet, so kann man nebenbei verschiedenste Körperteile und Zahlen auf kinyarwanda lernen.
Kinyarwanda ist so eine Sache, ich habe mir natürlich schon ein paar Brocken angeeignet, aber natürlich reicht es nicht aus, um wirklich Gespräche zu führen. Nebenbei eine kleine Episode: „Oya“ heißt „Nein“ und „Yego“ „Ja“. Das ist fürs deutsche Hirn anfangs ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Da ist es auch schon mal vorgekommen, dass ich ein Kind, das einem anderen Kind Essen stipizt hat, geschimpft habe und das Ganze mit „Yego, yego, yego“ kommentiert habe. Aber gut, inzwischen habe ich mir das gemerkt
Im Allgemeinen bin ich froh und dankbar, dass doch erstaunlich viel ohne Worte läuft und ich trotz sprachlicher Barriere eine Brücke zu den Kindern schlagen konnte.
Mit den größeren Kindern kann man natürlich auch immer gut Ball spielen, fangen, malen, Memory spielen oder Englisch lernen. Momentan ist es der letzte Schrei, mit leicht angefüllten Wasserflaschen und Boccia-Kugeln zu kegeln.

Außerdem experimentieren die Kinder gerne mit einem Regenbogen-Gymnastikband, was dann auch schon mal als Krawatte oder Kopfschmuck umfunktioniert wird.
Ich hoffe, ihr konntet einen ersten Einblick in mein Leben in Ruanda und meine Tätigkeit im Zentrum erhalten. Ich fühle mich hier sehr wohl und freue mich schon auf die kommenden Wochen und alles, was noch kommen mag


Samstag, 25. Januar 2014

Ein Haus für die Mitarbeiter_innen

Seit ein paar Tagen ist es offiziell auch im Zentrum WIKIWHEBA MWANA möglich als Praktikant_in mit INGEAR mitzuarbeiten. Ich möchte deshalb gerne über ein paar Neuigkeiten berichten.

In den letzten Monaten waren wir viel im Dialog mit Mediatrice Mukasharangabo, der Leiterin des Zentrums, bezüglich der Betreuerinnen und Mitarbeiter_innen im Zentrum. Bislang lebten die meisten Betreuerinnen mit im Zentrum, schliefen zum Teil mit den Kindern in einem Zimmer, hatten quasi an sieben Tagen die Woche, 24 Stunden Dienst. Oft waren sie unmotiviert und unaufmerksam, wenn es einzelnen Kindern nicht gut ging, wurde das schon mal übersehen.
Nachts war jeder und niemand zuständig. Verantwortungen wurden hin- und hergeschoben, die Kinder wurden morgens nicht pünktlich fertig um zur Schule zu gehen.
Da Mediatrice und ich sowohl die Gesundheit der Kinder als auch die der Mitarbeiter_innen gefährdet sahen, überlegten wir uns, wie wir die Situation verbessern könnten.

Nun haben wir uns auf diese Veränderungen geeinigt:
Zunächst hat Mediatrice ein Haus in der Nähe des Zentrums gemietet. Es kostet 30.000 FRW im Monat (ca. 35 Euro). Es gibt 4 Zimmer und soll zukünftig das „workers house“ sein. Viele der Mitarbeiter_innen kommen nicht aus Ngarama, können also nach der Arbeit nicht einfach nach Hause gehen und haben deshalb bisher im Zentrum gewohnt, es gab keine Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Jetzt sollen sie dort zusammen wohnen und wirklich nur zur Arbeit ins Zentrum kommen. Für die Nächte gibt es Dienstpläne, so dass immer zwei Betreuerinnen dort sind und jeweils eine halbe Nacht wach bleiben und aufmerksam für die Kinder da sind.
An der Miete für das Haus beteiligt sich jede_r mit 1500 FRW (ca. 2 Euro).

Die Mitarbeiter_innen haben sich sehr darüber gefreut und sind vor ein paar Tagen ins workers house eingezogen. Leider habe ich noch keine Bilder, da Mediatrice´s Kamera kaputt ist.

Die zweite Veränderung ist, dass die Mitarbeiter_innen einen Arbeitsvertrag bekommen. Er ist noch nicht ganz fertig, wir schicken unsere Entwürfe noch hin und her, die Mitarbeiter können sich einbringen, damit am Ende ein Vertrag entsteht, der für alle in Ordnung ist.

Mediatrice berichtet mir, dass sie bisher sehr zufrieden ist mit den Neuerungen, die Nächte sind organisierter und alle Mitarbeiter kommen morgens um 6 Uhr pünktlich zur Arbeit.


Leider gibt es auch unerfreuliche Nachrichten. Im November war eine Delegation der Regierung zu ihrer jährlichen Inspektion des Zentrums zu Besuch. Nach einer neuen Richtlinie dürfen in Zentren dieser Art nur entweder geistig oder körperlich beeinträchtigte Kinder betreut werden. Mediatrice musste alle Kinder mit körperlichen Behinderungen zu ihren Familien zurückschicken. Für einige ist das sehr dramatisch, weil sie dort zu weit von öffentlichen Schulen entfernt sind und keine Chance haben weiterhin zur Schule zu gehen. Mediatrice versucht diese Kinder auch weiterhin zu unterstützen, aber das ist bei schwierigen Familienverhältnissen oft nicht möglich.


Im Dezember waren auch Studierende der Universität zu Besuch um ein Praktikum zu absolvieren. Die Physiotherapiestudent_innen führten auch eine kleine Fortbildung für die Betreuerinnen und den Physiotherapeuten Patrick durch. Leider dauerte das Praktikum nur eine Woche.

Seit November gibt es wieder eine weltwärts-Freiwillige im Zentrum, die für ein Jahr bei der Betreuung der Kinder mithilft.