Mittwoch, 31. Mai 2017

Kibeho - das Fatima und Lourdes Afrikas



Heute möchte ich euch einen der interessanten Orte Ruandas - Kibeho - vorstellen. 

Kibeho ist eine kleine, sympathische Ortschaft, die sich in der wunderschönen Landschaft der südlichen Provinz, im Bezirk Gikonkoro befindet. Von dort erreicht man in ca. 20 bis 30 Kilometer Burundi, das südliche Nachbarland Ruandas. In diesem, auf dem ersten Blick unauffälligem Ort, geschahen im letzten Jahrhundert große Sachen. 




1981 erschien die Jungfrau Maria drei Mädchen. Als erste sah Alphinsine Mumureke sie im November 1981. Die Jungfrau Maria mahnte zur Buße, Umkehr und Versöhnung und wies auf die schrecklichen Ereignisse des Genozids hin, worunter Kibuhe 1994 tatsächlich sehr litt. Getroffen waren unter anderem Krankenhaus, Schulen und Kirche, die niedergebrannt wurden als sich drinnen Opfer versteckten. Die Kirche hat die Marienerscheinungen in Kibuhe anerkannt.

 Ort der Marienerscheinung

 
Heutzutage ist Kibuhe zu einem wichtigen Wallfahrtsort geworden, der viele Pilger anlockt. Und zwar nicht nur die Einheimischen, sondern auch Ausländer - am meisten Ugander. Für Pilger sind gleich mehrere Orte interessant. Man kann mehrere Kirchen und Kapellen besuchen und die Orte der Offenbarung anschauen. Für Pilger stehen zwei Touren zur Verfügung. Eine bietet einen Kreuzweg an, die andere einen Rosenkranz. Nicht zu vergessen ist das Heilwasser, das sich am Ende der zweiten Tour befindet. Dieses wird in kleine Flaschen oder in große Kanister gefüllt. Außerhalb des Zentrums wurde eine Stelle zur Ehrung Jesu Christi aufgebaut. 

 Kreuzweg

Heilwasser

Kibuhe ist mit mehreren Bussen aus Butare (Huye) zu erreichen. Die Fahrt dauert ungefähr eineinhalb Stunden und stellt ein unvergessliches Erlebnis dar. Die Straße ist nämlich nicht befestigt, so dass man im Bus von seinen Sitzen hüpft. In der Trockenzeit ist sie auch sehr staubig, in der Regenzeit wird sie matschig. Es lohnt sich auf jeden Fall Kibuhe zu besuchen.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Meine Arbeit im Zentrum!

Diesmal möchte ich euch meine Arbeit im Zentrum näherbringen. Seit August 2016 ist im Zentrum ein Lehrer mit einer Qualifikation in Sonderpädagogik angestellt. Dieser verbringt mit den Kindern jeden Tag mehrere Stunden im Klassenzimmer (ein kleiner Raum mit Tafel, Bänken und Tischen, der sich neben dem Hauptgebäude befindet), wo er die Kinder beschäftigt und unterrichtet. Ihn soll ich durch mein Praktikum unterstützen.

Die ersten Wochen nahm ich eher hospitierend teil: Ich beobachtete ihn, lernte die Kinder, den Tagesablauf und das Zentrum an sich kennen. Ich bewunderte seinen einzigartigen Zugang zu den Kindern, vermisste jedoch eine Struktur. Einerseits eine Tagesstruktur für die Kinder, andererseits eine Struktur, wie man den Kindern was, wann und wie beibringen will. So erstellte ich mir zunächst ein Konzept, nach dem ich vorgehen wollte. Dieses spiegelt einige der Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wider, die ich bei den Kindern direkt und indirekt entwickeln möchte. Aufgrund dessen kam die Idee, einen Stundenplan einzuführen. Dieser sollte mehr Struktur in den Unterricht hineinbringen. Dadurch sollten auch einige Ziele erreicht werden, wie z.B. einem Mädchen das Lesen beibringen. Mein Vorschlag wurde angenommen. Ich fertigte einen Entwurf an, der mit dem Lehrer als auch mit den Kindern diskutiert wurde. Das hatte ich eigentlich gar nicht erwartet, fand das jedoch sehr positiv. Einige Kinder äußerten ihre Wünsche und auch der Lehrer kam mit ein paar Verbesserungsvorschlägen. Der Stundenplan wurde dementsprechend angepasst, den Kindern nochmals vorgestellt und erklärt und anschließend in dem Klassenzimmer aufgehängt.


Das erarbeitete Konzept

 Vorstellen des neuen Stundenplans durch den Lehrer (im schwarzen T-Shirt)


Bei der Umsetzung muss man konsequent, aber auch flexibel, sensibel und geduldig verfahren. Wenn es z.B. regnet (und das passiert gerade sehr oft, weil es itumba - lange Regenzeit - ist), beginnt man ein bisschen später. Man darf auch nicht vergessen, dass Störungen Vorrang haben - sei es Toilette, Müdigkeit, Krankheit oder ein Problem, das zu lösen ist. In solchen Situationen ist es sinnlos, den Unterricht weiterzuführen. Auch wenn die Struktur wichtig, effektiv und effizient sein mag, müssen die Kinder und ihre Bedürfnisse an erster Stelle bleiben! 


Der Stundenplan im Detaill

Auch wenn alles gut läuft, ist der Unterricht oder die Beschäftigung der Kinder sehr herausfordernd, da die Kinder sehr unterschiedlich sind, und zwar vom Alter, der Behinderung und dem Wissensstand. In der Klasse sind auch viele Kinder im Kindergartenalter, die einen ganz anderen Zugang und eine andere Förderung brauchen als die älteren Kinder. Die Jüngeren sind sehr oft laut und stören dann die Älteren beim Lernen. Dieses Problem diskutierte ich mit Mama Kiki. In Zukunft solle noch eine zusätzliche Klasse eröffnet werden, die als Kindergarten für die Kleineren dienen solle. Dies wäre natürlich eine Erleichterung für den Lehrer als auch für die älteren Schüler.

Mein Arbeitstag sieht folgendermaßen aus:

Um 8 Uhr komme ich ins Zentrum, ziehe mir die Arbeitskleidung an und begrüße alle Kinder und Mitarbeiter. Ich stelle fest, ob die Kinder schon frühstücken. Wenn ja, fahre ich sie in das Klassenzimmer.  Dabei müssen wir darauf achten, dass alle in den Raum passen, Platz haben und auf die Tafel sehen können. Es ist schon passiert, dass wir in dem Raum zwölf Kinder hatten. Danach beginnt der Unterricht. Je nach Wochentag gibt es unterschiedliche Fächer. Sprachen haben wir jeden Tag, da diese wesentlich sind. Unter anderem bemühen wir uns, jede Woche zu musizieren, basteln, rechnen und Sport zu treiben. In den "flexiblen" Stunden machen wir unterschiedliche Sachen wie Zeitangaben oder Erdkunde. Der Unterricht dauert bis 12 Uhr. Dann gibt es Mittagsessen, bei dem ich mit dem Füttern helfe. Nachdem alle Kinder gesättigt sind, habe ich eine Stunde Mittagspause. Am Nachmittag geht es weiter. Es gibt ein freies Programm, in dem die Kinder selber auswählen können, was sie gern machen würden. Am liebsten malen sie aus. Das Nachmittagsprogramm endet um 16 Uhr, wenn der Lehrer, die Physiotherapeuten und ich nach Hause gehen.


Eindrücke aus dem Unterrichtsgeschehen: 
 




 Auch so kann Sportunterricht aussehen!

 Kunstunterricht - Blätterabdrücke
 Präsentation der gestalteten Windräder

Eindruck des künstlerischen Arbeitens mit Blättern 

Spielerisches Arbeiten mit hausgemachter Knete 
 
... und das sind die Ergebnisse!
 
So sieht mein Arbeitsalltag in Wikwiheba Mwana aus. Jeden Tag erlebe ich etwas Schönes und nehme von den Kindern unglaublich viel mit.

Murabeho

Eure Marie