Montag, 17. Juli 2017

Karibu! Karibu! ("Du bist willkommen!" in Swahili)

Da die Zeit so schnell vergeht und ich mich inmitten des Praktikums und damit meines Aufenthalts in Ostafrika befinde, war der richtige Zeitpunkt gekommen, sich ein paar Tage frei zu nehmen, um meinen Horizont mit einer Reise zu erweitern. Ich sehnte mich danach, ein Nachbarland Ruandas kennenzulernen. Weil die Sicherheitslage in der D.R.Kongo sowie Burundi nicht so stabil ist, kam nur Uganda oder Tansania in Frage. Mit Benjamin - dem Mitfreiwilligen aus Ngarama - mit dem ich das ganze Abenteuer erleben konnte, entschieden wir uns schließlich für Uganda.

Unsere Reise begann in Kigali um neun bzw. halb zehn abends, als wir nach der Kontrolle unserer Rucksäcke in den Bus nach Kampala mit gemischten Gefühlen einstiegen. Einerseits freuten wir uns unglaublich auf das neue Land und alles, was uns dort warten würde, andererseits fürchteten wir das Unbekannte. Ruanda ist nämlich inzwischen unser Zuhause geworden. Wir fühlen uns hier sicher und alles kommt uns relativ bekannt vor. Noch mehr verunsicherten uns die Sicherheitshinweise sowie das Gebet vor der Abfahrt. Schließlich ist alles gut verlaufen. Um Mitternacht der ruandischen Zeit (in Uganda ist die Zeit eine Stunde voraus) überschritten wir ohne Probleme die Grenze. Wir mussten sogar für das Visum nichts zahlen, was uns sehr freute.

Der Grenzübergang lief folgendermaßen ab:

Noch in Ruanda musste man an der Grenze aus dem Bus aussteigen und in einer Schlage warten, um von Ruanda ein Ausreisedokument zu erhalten, mit dem man dann über Niemandsland zu Fuß nach Uganda gehen konnte. Dort warteten wir in einer erneuten Schlange, an deren Ende man ein Visum für Uganda bekam. Nach der Sicherheitskontrolle von der ugandischen Grenzpolizei konnten wir in Uganda wieder in den Bus einsteigen. Der Bus ordnete sich links im Straßenverkehr ein (in Uganda ist Linksverkehr) und fuhr weiter.

Um ca. fünf in der Früh erreichten wir Masaka, wo wir beide ausstiegen. Es war kalt und dunkel. Wir standen müde und desorientiert auf der Straße mit den Hinweisen im Hinterkopf, dass man nach dem Einbruch der Dunkelheit die Straßen vermeiden und auf keinen Fall Boda Boda (Mofas) ohne Lizenz fahren solle. Das konnten wir auch nicht, weil wir noch keine ugandischen Schillinge besaßen. Wir mussten unbedingt in eine Bank gehen. So gingen wir in das etwa fünf Kilometer entfernte Stadtzentrum, um Geld abzuheben und von dort mit einem Matatu (ein kleiner Bus, Sammeltaxi) zum Victoria See zu fahren. Es war regnerisch, ziemlich kalt, die Straße war kaputt und überall lag Müll. So unerfreulich war mein erster Eindruck von Uganda.

Später stiegen wir in ein Matatu ein, in dem unglaublich viele Menschen saßen. Es sah so aus, als ob ein Rekord gebrochen werden wollte, möglichst viel Menschen in einem kleinen Bus zu transportieren. Der Weg war ein unvergessliches Erlebnis. Mit einer Frau teilweise auf meinem Schoss sitzend fuhren wir auf eine unbefestigte Straße entlang. Manchmal sanken wir in eines der vielen Löcher ein, sodass wir ganz hinten im Bus sitzend bis zur Busdecke hüpften.
 Der Weg mit dem Matatu zum Victoria See

Am See wartete auf uns eine Fähre, die uns zu Bugala, der größten Insel der Ssese-Inseln brachte. Der Minibus fuhr uns danach noch zur größten Stadt auf der Bugala Insel names Kalangala. Da verbrachten wir zwei Nächte und genossen die Schönheiten der Stadt, bis wir zu unserer zweiter Station - Kampala - aufbrachen.
 Bugala Insel
Mit der Fähre von der Bugala Insel nach Entebbe und weiter nach Kampala

Kampala ist auf den ersten Blick viel zu chaotisch und unübersichtlich. Man fühlt sich anfänglich total überfordert und verloren. Mit der Zeit kann man sich an das Tempo gewöhnen und die Stadt genießen. Ein Highlight war zweifellos die Gaddafi Moschee, die auf einem der sieben Hügel Kampalas steht und von ihrem Minarett einen wunderschönen Ausblick bietet. Ich besuchte auch das ugandische Museum, das das älteste Museum Ostafrikas ist. Das Alter des Museums hinterlässt leider seine Spuren an der Qualität der Exponate sowie dem allgemeinen Konzept des Museums.
 Eine Straße in Kampala

Unsere dritte Station war Mbale, die den Ausgangspunkt für eine Tour rund um die Sippi Falls darstellte. Hier erlebten wir nicht nur hautnah drei Wasserfälle, sondern es wurde uns auch die Herstellung des ugandischen arabica Kaffees gezeigt - von den Bohnen auf der Plantage bis zur Kostprobe.
 Sippi Falls

Nach Mbale fuhren wir nach Jinja, wo wir andere Freiwillige besuchten. Jinja liegt am Victoria See. Man kann hier ein Fahrrad ausleihen und z.B. zur Nilquelle fahren. Sehenswert ist auch der Jinja Markt, der sich in einem mehrstöckigen Haus befindet. Man kann hier wirklich alles finden. Die Stadt kann sich mancher Gebäude aus der Kolonialzeit rühmen.
Auf dem Jinja Markt

 Auf dem Jinja Markt

 Auf dem Jinja Markt

 Auf dem Jinja Markt

 Kasese - im Hintergrund Rwenzori

Die letzte Station war Kasese. In der Nähe befindet sich auch der Elisabeth Nationalpark, wo wir einen halben Tag verbrachten. Auf dem Weg zum Park überquert man den Äquator. Am Äquator steht ein Denkmal, an dem viele Menschen eine Pause machen, um ein Foto zu machen. Von Kasese fuhren wir über Mbarara zurück in unsere Gaststadt Ngarama.
 Im Queen Elizabeth National Park 
 Am Äquator

Durch diese Reise wurde mir bewusst, dass es ein großer Fehler ist, den afrikanischen Kontinent als eine Einheit zu sehen. Es gibt hier so viel Länder mit genauso so vielen Kulturen. In Uganda, das nur unweit von Ruanda liegt, herrscht eine ganz andere Kultur als in Uganda. Man kann sie vergleichen, jedoch nicht sagen, dass die eine oder die andere Kultur besser wäre. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Liebe Grüße

Marie

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